Serie ME und Philiform

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Abbildung: ME1200

1965 hat Philips den ersten Mechanik Lehrbaukasten, den ME, vorgestellt. Er war zur Konstruktion von funktionsfähigen technischen Geräten bestimmt. In dem stabilen Holzkasten mit Schiebedeckel sind überwiegend Bauteile aus durchsichtigem hochfestem Kunststoff (SAN) enthalten. Je nach Verwendungszweck kommen auch andere Materialien zum Einsatz: Metall für Achsen, Federn und Hilfswerkzeuge, weiche Kunststoffe für Schläuche und Pumpengehäuse, Gummi in Form von Ringen, Schlauch, Ballon und Reifen, ein Nylonanker, Befestigungsschnur, Magnete aus dem keramischen Werkstoff  Ferroxdur, sowie elektrotechnische Bauteile wie Leitungsdrähte, Lampen und Motor.

Insbesondere die Räder sind äußerst vielseitig einsetzbar: als Zahnrad, als Laufrad für Fahrzeuge, als Ritzel für Übersetzungen, Lenkrad, zur Konstruktion von Batteriehaltern oder auch als Kontaktrad in Drehschaltern. Die Räder haben hierzu, je nach Größe, außer dem zentrischen Loch noch bis zu 126 kleine Löcher, die auf bis zu 7 Radien verteilt sind.

Abbildung: Lastkraftwagen

Die Baumöglichkeiten sind unbegrenzt. Richtige, genau gehende Uhren, Fahrzeuge aller Art, Kräne oder Mühlen sind nur einige Beispiele. Der Antrieb kann elektrisch, mit Luft oder mit Wasser erfolgen. Die Abbildung zeigt einen LKW mit Elektromotor und Lenkradschaltung mit 3 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgängen. In Kombination mit einem Elektronik-Baukasten lassen sich die Modelle sogar elektronisch steuern.

Der ME wurde bereits in seinem Geburtsjahr 1965 vom französischen Industrieministerium mit dem Preis für das beste Spielzeug ausgezeichnet. 1966 erhält der Mechanik Lehrbaukasten die Bezeichnung ME 1200 in Form eines Aufklebers auf einer Längswand des Holzkastens.

Gleichzeitig wurde die Serie um diverse Päckchen mit Ersatz- bzw. Ergänzungsteilen (ME 1800 bis ME 1818) erweitert. In Deutschland wurden meines Wissens nur die fett markierten Packungen angeboten.

Serie ME
ME
1809
ME
1810
ME
1811
ME
1812
ME
1813
ME
1814
ME
1815
ME
1816
ME
1817
ME
1818
ME
1800
ME
1801
ME
1802
ME
1803
ME
1804
ME
1805
ME
1806
ME
1807
ME
1808
(ME)
ME 1200
ME 1201 ME 1250

Im Jahr 1967 erscheinen passend zur neuen Elektronik-Serie EE 1000 auch zwei neue Mechanik Lehrbaukästen. Der ME 1201 und der kleinere ME 1250. Beide Kästen können separat oder in Kombination miteinander benutzt werden. Ebenso ist weiterhin der Ausbau mit den Kleinpackungen ME 1800 bis ME 1807 und ME 1813 möglich.

Abbildung: Bulldozer

Die neuen Baukästen enthalten im wesentlichen die gleichen Bauteile, wie der Vorgänger ME 1200. Neu hinzu kamen eine kleinere Platte, Lochstreifen in zwei Längen, ein kleines Rad, ein fertiger Batteriehalter, sowie gerade und gewinkelte Stahlachsen mit 2 mm Durchmesser. Die glasklaren Kunststoffteile sind jetzt rot und grün getönt. Dies entspricht in etwa der Farbgebung der Märklin Metallbaukästen. Dieser Göppinger Modellbahn- und Spielwaren-Hersteller wird manchmal mit der Produktion der Philips-Kästen in Verbindung gebracht. Eindeutige Belege liegen mir aber nicht vor.

Größere Unterschiede gibt es bei den Anleitungen: Zum ME 1200 gehört ein richtiges Anleitungsbuch mit 142 Seiten. Am Anfang steht eine gründliche Einführung in das System. Die einzelnen Bauteile, der Umgang mit den Hilfswerkzeugen, die Verbindungstechnik und Rastermaße werden ausführlich beschrieben. Erst dann werden die verschiedenen Modelle und ihr Aufbau vorgestellt.

Abbildung: ME1200 Anleitung Abbildung: ME1201 Anleitung Abbildung: ME1250 Anleitung Abbildung: ME1201/1250 Beilage

Dem ME 1201 haben mehrere große (50 × 70 cm²) Baupläne beigelegen. Diese Baupläne und die Anleitung zum ME 1250 sind ohne Text. Der Aufbau der Modelle wird nur anhand von Bildern gezeigt, wie es auch bei anderen Herstellern von Konstruktionsbaukästen der Fall ist. Zusätzlich zu den Bauplänen gibt es nur eine mehrsprachige Beilage, in der mit wenigen Worten die verschiedenen Teile und Bauprinzipien vorgestellt sind.

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Philiform

Abbildung: Philiform

Die ME Baukästen verlangten von ihren Besitzern stets eine gehörige Portion abstraktes, räumliches Denken. Viele Kinder waren von diesen Kästen überfordert. Im Jahr 1968 wurde deshalb mit [extern, ENGLISH]Philiform ein einfaches Konstruktionssystem, bereits für Kinder ab 4 Jahren, vorgestellt. Einige Bauteile wurden aus der Serie ME übernommen und beide Systeme lassen sich hervorragend miteinander kombinieren.

Abbildung: Brechstange

Allerdings zeigte auch das Philiform System "Kinderkrankheiten". Manche Anleitungen waren noch zu schwierig. Auch das Bauprinzip mit Lochsteinen und Stiften hatte seine Macken. Es führte zwar zu sehr stabilen Verbindungen, aber Bauteile mit drei oder mehr Verbindungsstellen waren kaum noch von Kindern zu trennen. Auch die später beigepackte "Brechstange" konnte das System nicht mehr retten. Zudem hatte sich Philips bewusst oder unbewusst in einen Konkurrenzkampf mit den bereits etablierten Herstellern [extern, DEUTSCH]Lego und [extern, DEUTSCH]Fischertechnik begeben. Der Markt war schon zu gesättigt, auch wenn das Bauprinzip der drei beteiligten Unternehmen sehr unterschiedlich war. Lego hat das zu Philiform ähnliche Technik System erst 1977 eingeführt.

Das Aus für die Konstruktionsbaukästen von Philips kam etwa 1970. Die Philiform Maschinen wurden an einen Hersteller in England verkauft. Dort wurden die Baukästen noch einige Jahre mit anderen Nummern, aber ohne Philips Logo, hergestellt. Die Nummer entsprach dann in etwa der Anzahl Bauteile.

Abbildung: Philiform 106 Abbildung: Philiform 330

In den Experimentiertechnik-Katalogen wurden die Philiform Baukästen nur in Nebensätzen erwähnt. Sie sollen auch hier nicht ausführlich vorgestellt werden. Für weitere Informationen verweise ich nochmals auf die [extern, ENGLISH]Website von Johan Voskamp.

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