
Im Jahr 1983 hatte Philips die völlig neue ABC Serie vorgestellt, die
zunächst parallel zu den Serien EE 2000, EE 2001 und EE 3000 angeboten
wurde. Die ABC Serie wurde ab 1984 von
Schuco
übernommen und weiter ausgebaut.
Von den Vorgängerserien ist eigentlich nur das System mit Lochplatten und Federklemmen übrig geblieben. Selbst die Klemmen wurden stark verbessert. Die beiden Federteile können immer zusammen bleiben und werden einfach von oben in die Lochplatte gedrückt. Beim Herausziehen der Klemmen leistet mir eine Häkelnadel (Größe 1,75) wertvolle Hilfe. Sonst war alles neu:
Auch das Bezeichnungsschema war ganz neu. Der Baukastentyp ist an der 100er-Stelle der 6000er Nummer auszumachen. Bei den Elektronikkästen gibt es drei Typen:
Von Anfang an gab es vier Grundkästen, drei Aufbaukästen und das optionale Steckernetzteil:

Der 6101 A Electronic Erstkontakt ist in etwa mit dem EE 2040 zu vergleichen. Auch hier ist nur eine Grundplatte ohne Pult enthalten und die Anleitung ist mit der Trickfigur "Tronic" aufgelockert. Zur Stromversorgung wird in dem kleinen Grundkasten eine 9 V Blockbatterie verwendet.

Das 6102 B Electronic Basis Lab kann am ehesten mit dem EE 2002 verglichen werden. Hier ist bereits die Experimentierbox B mit Lautsprecher und dem Batteriekasten für 6 Babyzellen enthalten. Die umfangreiche Anleitung ist identisch mit der nächsten Stufe.

Im 6103 C Electronic Expert Lab ist im Wesentlichen zusätzlich der Themenbereich des EE 2017 integriert. Für die IR-Sender ist eine separate Grundplatte und ein 9 V Batterieclip enthalten. Das Anleitungsbuch ist mit der Grundstufe B identisch.

Das 6104 D Electronic Profi Lab enthält u. a. die zusätzliche Experimentierbox D mit dem Messwerk. Im Gegensatz zum EE 2014 kommen hier, wie beim EE 3060 hochgenaue Metallschicht-Widerstände zur Erweiterung der Messbereiche zum Einsatz. Beide Pulte können mit dem beiliegenden Montagematerial zu einer Einheit verschraubt werden. Neben der Anleitung für die Grundstufen B und C ist noch ein weiteres Buch enthalten.

Alle drei Aufbaukästen wurden in einem identischen Karton geliefert. Der genaue Typ ist nur auf den Seitenwänden abzulesen.

Das 6150 Steckernetzteil liefert 9 V bei maximal 150 mA. Es wurde ab 1987 durch das stärkere Modell 6155 mit einer Belastbarkeit von 350 mA ersetzt. Beide Geräte konnten mit der separat erhältlichen Kupplung 349.2620 auch anstelle einer 9 V Blockbatterie verwendet werden.
| Serie 6100, 6200 (Elektronik) | |||
| 6150 / 6155 | |||
| 6203 C–D | 6104 D | ||
| 6202 B–C | 6103 C | ||
| 6201 A–B | 6102 B | ||
| 6101 A | |||
Das Diagramm zeigt die Elektronikserie zum Zeitpunkt der Markteinführung 1983.
Bereits im Jahr 1984 erschienen die thematischen Zusatzkästen 6301 Electronic UKW/Stereo Lab und 6302 Electronic Digital Lab. Das UKW/Stereo Lab kann schon mit der Grundstufe A (Electronic Erstkontakt) verwendet werden. Der Name des Kastens "UKW/Stereo Lab" suggeriert, dass man damit ein UKW-Stereo-Radio bauen kann. Dem ist aber nicht so! Man kann (Mono-) UKW-Radios bauen, und man kann - getrennt davon - einen Stereo-Verstärker bauen. Aber kein UKW-Stereo-Radio!
Für das Digital Lab ist dagegen mindestens die Grundstufe B (Electronic Basis Lab) erforderlich. Beide Kästen hatten ursprünglich noch das Philips-Emblem auf dem Kastendeckel.

Später im Jahr 1984 wurde auch das 6105 E Electronic Oszilloskop und 6205 E-F Electronic TV-Zusatz-Lab vorgestellt. Das waren die beiden ersten Elektronikkästen, die von Anfang an mit dem Schuco Logo in den Handel kamen. Diese beiden Kästen nehmen eine Sonderstellung in der 6000 ABC Serie ein, was auch durch die andere Farbgebung zum Ausdruck kommt. Sie sind unabhängig vom Rest der Serie zu betrachten, denn sie sind nicht in den 6300er Zusatzkästen berücksichtigt und es gab auch keinen Aufbaukasten D-E.

1985 wurden die vier Grundstufen um zusätzliche Experimente erweitert. In der Grundstufe A (Electronic Erstkontakt) war das einzige neue Bauteil ein Widerstandsstreifen, der mit Hilfe von Büroklammern als Potentiometer einsetzbar ist. Insgesamt konnten rund 50 Experimente mehr durchgeführt werden.
Der Grundstufe B (Electronic Basis Lab) wurden Kupfer- und Zinkelektroden und eine weitere Diode beigelegt. Damit waren rund 60 neue Experimente möglich. Diese Ergänzungen wurden systembedingt auch in die größeren Grundstufen C und D, sowie in die Aufbaustufe A-B gepackt. In allen Aufbaustufen war ab diesem Zeitpunkt außerdem eine größere Menge an Schaltdraht enthalten.
Die zusätzlichen Experimente waren zunächst in Ergänzungsheften zu den Anleitungen der Grundstufen A und B/C/D beschrieben. Später wurden diese Ergänzungshefte in die Anleitungsbücher A und B/C übernommen.


1986 wurde die Serie mit weiteren thematischen Ergänzungen komplettiert. Der Kasten 6303 Electronic Glasfaser-Technik kann bereits ab der Grundstufe A (Electronic Erstkontakt) verwendet werden.
Die Mini-Zusätze 6361 Electronic Duo-LED, 6362 Electronic Thyristor und 6363 Electronic pnp-Transistor setzen dagegen mindestens die Grundstufe B (Electronic Basis Lab) voraus. Diese Zusätze wurden nicht in Kartons, sondern in einer Blister- oder Sichtverpackung verkauft. In den Klarsichtbeuteln befinden sich nur 1 bis 3 Bauteile und ein DIN-A6 Heftchen mit je 20 Experimenten.


Bei dem 1987 hinzu gefügten Grundkasten 6107 G Electronic Messtechnik handelt es sich im Prinzip um die Grundstufe B, die hier mit einem Mess-Modul und verschiedenen Sensoren zur Messung von Umweltfaktoren wie Temperatur, Lichtstärke, Schall, Feuchtigkeit und pH-Wert ergänzt ist.
Die zusätzlichen Messtechnik-Experimente sind in einem Ergänzungsheft zur Anleitung der Grundstufe B/C beschrieben.

Die letzte Ergänzung der Serie gab es 1988 mit dem Grundkasten 6108 C+ Electronic Regeltechnik. Die Bezeichnung C+ ist irreführend! Richtiger wäre B+ oder H, weil alles fehlt, was die Grundstufe C (Expert Lab) von der Grundstufe B (Basis Lab) unterscheidet.
Ursprünglich war wohl ein anderer Kasteninhalt geplant. Auf den Abbildungen in den Experimentier-Technik Katalogen wird ein Versuchsaufbau gezeigt, der einen gänzlich anderen Getriebemotor (Prototyp) und eine IR-LED enthält. Allerdings aus dem EE 2017 und nicht aus der Grundstufe C. Der finalen Version des 6108 C+ haben jedoch keine IR-Bauteile beigelegen. Auch die zweite Grundplatte fehlt in diesem Kasten.
Die neuen Experimente zur Regeltechnik sind wieder in einem Ergänzungsheft zur Anleitung der Grundstufe B/C beschrieben.
| Serie 6100, 6200, 6300 (Elektronik) | |||||||
| 6150 / 6155 | |||||||
| 6301 | 6302 | 6303 | 6361 | 6362 | 6363 | 6205 E–F | |
| 6203 C–D | 6104 D | ||||||
| 6202 B–C | 6103 C | 6105 E | |||||
| 6201 A–B | 6102 B | 6107 G | 6108 C+ | ||||
| 6101 A | |||||||
Das Diagramm zeigt die Serie zum Zeitpunkt der größten Vielfalt ab 1988.


Ab dem Katalog von 1990 wurde der 6102 B mit 175, statt bisher 160 Experimenten ausgezeichnet. Dies ist aber nur auf eine genauere Zählung aller Versuchsvarianten zurückzuführen.
Etwa um die gleiche Zeit wurden den Kästen fertige Experimentierboxen beigelegt. Die linke Abbildung mit der selbst zu montierenden Experimentierbox zeigt außerdem einen Fehler in allen früheren Schuco Experimentierkatalogen. Der Schuco Schriftzug wird hier bei allen Kastendeckeln, die ursprünglich noch das Philips-Emblem hatten, in schwarz dargestellt. Zum Verkauf kamen jedoch immer Kästen mit einem weißen Schriftzug, wie auf dem rechten Bild.


Einige dieser Elektronik-Baukästen wurden noch bis Ende der 90er Jahre von Schuco produziert und haben damit sogar die später vorgestellte Modulserie überlebt. Bis 2002 hatte Schuco eine Webseite, auf der noch die vier Grundstufen A-D und die entsprechenden Aufbaustufen gelistet waren. Im letzten mir bekannten Experimentier-Technik Katalog aus dem Jahr 1997 waren außerdem noch das 6155 Netzgerät, der 6303 Glasfaser-Technik und 6107 G Messtechnik enthalten.
Zumindest einzelne Kästen der 6000 ABC Elektronik-Serie wurden in Frankreich von dem Spielwarenhersteller Jeux Laffont unter eigenem Namen angeboten. Der genaue Zeitraum und Serienumfang ist mir nicht bekannt.


Die bewegte Firmengeschichte des Hauses Schuco kann, quasi aus erster
Hand, direkt auf der
Homepage von Schuco nachgelesen werden. Dort auf
Unternehmen und Portrait klicken!
Anzumerken bleibt mir nur noch, dass
die Experimentierkästen, um die es hier geht, nur in der Ära der Familie
Mangold hergestellt wurden. Georg Adam Mangold hatte bereits 1881 die
Firma GAMA in Fürth gegründet. 1971 hat GAMA die Fa. Trix und 1980 auch Schuco
übernommen. Mit dem Verkauf von Trix an Märklin im Jahre
1996 gingen auch die Rechte an der Marke GAMA an Märklin über. Schuco wurde
kurz vor dem Verkauf aus dem Firmenverbund ausgegliedert und agierte wieder
als eigenständiges Unternehmen. Erst 1999 hat sich die Familie Mangold
gänzlich aus der Spielzeugbranche zurückgezogen und Schuco wurde von der
Simba/Dickie
Gruppe übernommen. Der letzte
Experimentierkasten dürfte irgendwann im Jahr 2001 das Werkslager
verlassen haben.